Die Leiharbeit wurde unter rot-grün und unter rot schwarz vorangetrieben und wird sicher unter der neuen wirtschaftsliberalen Regierung von CDU und FDP neue Blüten treiben. Dabei wird diese Regelung, die lediglich dazu da ist, um das US-amerikanische Heuern und Feuern möglichst einfach zu machen, immer bizarrer. Selbst Auszubildende werden inzwischen, so ein Bericht der Gewerkschaft verdi, schon als Leiharbeiter missbraucht.
Die Gewerkschaft berichtet von erschreckenden Beispielen, so etwa von der Braunschweiger Zeitung, die sich in ihren Ausgaben stets menschenfreundlich und sozial gibt. Tatsächlich sieht die Praxis anders aus. Drucker werden zum Beispiel „ausgelagert“, verdienen 1.000 bis 1.500 Euro weniger als Tariflohn als ihre „normal“ angestellten Kollegen, bekommen weniger Urlaub und Freischichten usw.
Im Verlagshaus Braunschweiger Zeitung werden dem Bericht zufolge seit 2007 frei werdende Stellen konsequent mit Leiharbeitern besetzt. Ausgenommen sind noch Redakteure. Wenn man Leiharbeiter nicht mehr benötigt, kann man sie geräuschlos entsorgen. Keine Sozialpläne, keine unangenehmen Berichte, einfach weg. Dass die Familien dieser Leiharbeiter ihre Zukunft auch gerne planen würden, ist den Bossen der Zeitung egal, die sich sonst in ihrer Zeitung so besorgt um die Demokratie und um das Volk geben.
Und da Zeitungen wie die BZ in ihrer Region eine Monopolstellung haben, wird auch nichts Unangenehmes in den Zeitungen stehen, wenn entlassen wird. Sehr bequem. Bundesweit wurden von solchen Leiharbeitsstellen in der Wirtschaftskrise von 800.000 Leihsklaven auf diese Weise 300.000 bereits geräuschlos entsorgt. Bei der Oldenburger Nordwestzeitung (NWZ), sind selbst Redakteure schon auf Leiharbeit. Da kann der Verlag bei einem Redakteursgehalt bis zu 2.000 Euro monatlich sparen.
Und die „freie“ Berichterstattung bleibt so natürlich ebenfalls auf der Strecke. Selbst Volontäre werden bei der NWZ bereits als Leiharbeiter eingestellt. Fakt ist, dass die Gewerkschaft diesen Zustand zwar beklagt, dass sie aber mit der SPD eine Partei unterstützt, die unter Gerhard Schröder genau die Weichen für diese Entwicklung gestellt hat. Die DVU lehnt den Leiharbeitsmissbrauch entschieden ab.
Es gilt einen Weg zu finden zwischen den sozialistischen Gängelungsversuchen der Linken und dem Freihandelsfetischismus von SPD, FDP, Grünen und CDU. Das aber geht nur durch ein Umdenken. Wettbewerb ja, aber nicht nur ein Wettbewerb des Preises. Auch gilt es hier, die Folgekosten von Leiharbeit zu berechnen. Denn: Leiharbeit ist nur auf den ersten Blick billig. Der Abschied vom Wachstumsdenken ist notwendiger denn je. Denn das Wachstumsdenken erzeugt die Gier nach Profit (selbstverständlich ist Profit notwendig, Gier aber ist krankhaft). Und dies führt zu Phänomenen wie der unkontrollierten Leiharbeit.
Leiharbeitsbeschäftigte haben keine Perspektive, haben also Schwierigkeiten, Bindungen einzugehen, perspektivisch zu planen, eine Familie zu gründen usw. all dies muss Teil der Diskussion sein, an deren Ende eine neue Politik steht.
